Wenn der Intellektuelle
das Dummchen heiratet
Gleich und Gleich
gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an: Was ist dran an
diesen Volksweisheiten? Laut Psychologie und Soziologie entscheiden
sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede darüber, wo die Liebe
hinfällt.
Sie ist mindestens 20
Zentimeter größer und 20 Kilo schwerer als er, als sie vor dem
Traualtar stehen. Kein Wunder, dass unter den Hochzeitsgästen eifrig
getuschelt wird, ob die Ehe zweier äußerlich so unterschiedlicher
Menschen überhaupt eine Perspektive hat. Die meisten sind da eher
skeptisch.
Doch es kommt immer wieder
vor, dass sich Menschen ineinander verlieben, die nicht der Norm
entsprechen und in den Augen der Öffentlichkeit nicht zueinander
passen. Gute Beispiele aus der Promiwelt sind Marilyn Monroe und
Schriftsteller Arthur Miller oder US-Schauspielerin Demi Moore und
ihr junger Ehemann Ashton Kutcher.
Beziehungen dieser Art können
funktionieren. Aber als notwendig für eine langfristige glückliche
Beziehung erachten Experten vor allem Gemeinsamkeiten. Wenn ein
Banker und eine Öko-Frau sich ineinander verlieben, können zwar
Ungleichheiten durch die rosa Brille zu Beginn sehr interessant
wirken, erklärte Psychologin Birgit Maurer, die in Wien Ende 2008
eine Liebeskummer-Praxis für Paare mit Schwierigkeiten eröffnet hat.
Gegensätze sind sehr bereichernd und spannend, aber mit der Zeit
stellt sich heraus, ob man das auch leben kann.
Die unliebsame Folge ist
Beziehungsarbeit, die Paare, die von Anfang an eins sind, nicht
leisten müssen. Will man ein Haus und Kinder? Soll man die Zukunft
in der Stadt oder am Land planen? Darf in der gemeinsamen Wohnung
geraucht werden? In der ersten Verliebtheit werden solche Fragen
gerne zur Seite gestellt, für eine ernsthafte Beziehung bilden sie
laut Maurer aber den Prüfstein: Das Aussehen entscheidet, wer sich
kennenlernt, die Persönlichkeit, wer zusammenbleibt.
Verliebt man sich in einen
völlig andersartigen Menschen, sollte man allerdings nicht gleich
die Flinte ins Korn werfen: Von Anfang an harmonische
Partnerschaften könnten langweilig werden, warnt Maurer. Hinzu
komme, dass jeder sich weiterentwickle und Unterschiede auch erst im
Laufe der Zeit entstehen können. Auch hier ist eine Neudefinition
der Beziehung gefragt. Toleranz und Möglichkeiten zur Entfaltung,
die bei gegensätzlichen Partnern von Anfang an da sein müssen, gilt
es erst zu lernen. Ob charakterlich unterschiedlich oder ähnlich:
«In beiden Fällen haben Paare wirklich zu arbeiten», betonte Maurer.
Eine Mischung aus beidem ist eine gute Basis.
Bei der Frage nach dem
passenden Partner seien Ansprüche zudem äußerst unterschiedlich:
Manche Ärztinnen suchen beispielsweise explizit nach einem Mediziner
als Lebensgefährten, um sich austauschen zu können, so Maurer.
Andere lehnen einen Berufskollegen strikt ab, sie fürchten
Eintönigkeit und erwarten von ihrer Beziehung einen Ausgleich. Gegen
absolute Gleichheit spricht außerdem die Kombination schlechter
Eigenschaften. Zwei Hitzköpfe oder jähzornige Streithähne werden es
schwer miteinander haben, ist die Psychologin überzeugt.
Absoluter Verfechter von
«Gleich und Gleich gesellt sich gern» ist die Soziologie, die vor
allem langfristige Bindungen wie die Ehe erforscht: Danach liebt
sich, was sich ähnlich ist, betonte Soziologe
Sighard Neckel von der
Universität Wien. Paare bilden sich nach wie vor im gleichen Milieu,
der gleichen Bildungsschicht, lernen sich bei der Arbeit oder im
Freundeskreis kennen. Eine Rolle würden auch soziale Laufbahnen
spielen, Aufsteiger scheinen sich instinktiv zu erkennen und
aneinanderzubinden. Man sucht Ergänzungen im
Ähnlichem, nicht im völlig Fremden, so
Neckel. Denn gerade dadurch, entsteht das Gefühl der
Vertrautheit, der Eindruck den anderen blind zu kennen.
Übrigens: Die Ehe des
Intellektuellen Arthur Miller und der Sexbombe Marilyn Monroe, die
als blondes Dummchen vermarktet wurde, hielt nur vier Jahre.
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